Studio 89

Das Original

"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
Clubszene in Karl-Marx-Stadt

Einleitung: Das Thema beschäftigt mich schon lange und wie ich im Zuge der Recherchen merkte, nicht nur mich. Nun habe ich mich einmal dran gemacht, Fakten, Erinnerungen, Bilder und Berichte vorwiegend aus den 80ern zur Club/Tanzszene im damaligen Karl-Marx-Stadt zu sammeln und hier zu veröffentlichen. Bitte geht nicht von einem Kompendium aus, auch ich kannte nicht alles oder war gar überall selbst gewesen. Alte Bilder werden auch nicht zu üppig vorhanden sein, wer hat schon damals viel fotografiert? Ich werde aber versuchen, mit den heutigen elektronischen Medien Bilder von damals aufzutreiben. Dazu im Vergleich biete ich euch Bilder aus heutiger Zeit, soweit noch etwas vorhanden/zu sehen ist. Auch hier würde ich mich über Eure Hilfe sehr freuen! Um die Bilder größer anzusehen, drauf klicken! Karl-Marx-Stadt In der Stadt tobte in den 70/80er Jahren das Leben, zumindest was die Möglichkeiten für Jugendliche betraf, aus zu gehen, sich zu treffen und zu tanzen. Folgend einige der legendären Clubs in der Stadt bis zur Wende 1989. Mehr zum Thema Disko in der DDR hier

Prisma

(Morgenleite)

Wie die Ruine heute aussieht, sie steht noch. Einst unter dem VEB Fritz-Heckert betrieben. 

Prisma
Stadtkeller

(Straße der Nationen 12)
Der Stadtkeller war am heutigen Decatlon und damals eine sehr bedeutende Location der Stadt. Durch eine schwere Stahl-Eingangstür ging es hinab in den Untergrund. Für damalige Verhältnisse ein Ort der gehobenen Klasse. Nicht immer kam man rein, da auch die Plätze sehr begrenzt waren. Im inneren hat mich die Architektur, mit kleinen Sitzecken und Inseln sehr beeindruckt. Eine lange Bar und eine gelungene Lichtinstallation rundeten das ganze ab. Gern erinnere ich mich an den etwas älteren DJ Freddy. Die ersten Veranstaltungen sollen wohl bereits 1969 gewesen sein. Von 1984 an legte auch DJ Geyer da auf. Nach der Wende traf man sechs Jahre lang auch den Stadtbekannten DJ Double D = Dirk Duske).
Später, vermutlich um 2002, lief er wohl einmal voll Wasser, was dem Stadtkeller den Todesstoß versetzte. Noch dazu wurde der ganze Komplex später modernisiert/umgebaut wobei auch die darüber liegende Gaststätte I-Zentrum mit verschwand. Später versuchte man es unter gleichem Namen (Stadtkeller) an der Dresdner Str. noch einmal. Aber der Wind war raus. Auch hier gab es wie zum FZ eine Revival Nacht des Stadtkellers im Brauclub.

StadtkellerStadtkeller
Aufbau

(Sollberger Str./Haydnstr 40) ehemalige Bauarbeiter Unterkunft/Baracke vor dem Wohnhotel Kappel. Brannte irgendwann komplett ab. (Bild: ehem. Standort)

Club Aufbau
UK13 

(Straße Usti nad Labem)
Eine Baracke am Rande des Fritz-Heckert Gebietes die wohl früher als Bauarbeiterunterkunft (UK=Unterkunft) genutzt wurde und sich später zum sehr bekannten und beliebten Jugendclub mauserte. Die Baracke steht noch heute, wenn auch nicht mehr als Tanzschuppen genutzt ist er in den Köpfen vieler Karl-Marx-Städter noch sehr lebendig. Ich bin da mal aufgetreten mit einem Gitarristen der Neil Young vorgetragen hat. UK13 Revival 

UK13 
FZ

(Freizeitzentrum Beimler) (Olbersdorfer Str.) Standort heute und früher. Bild an der Bar
Mein Favorit in der City war das FZ. Ich selbst war dort in der Ordnungsgruppe und Dauergast. Nach Ende der Veranstaltung und Auszahlung trafen wir uns oft im hinteren Teil der Baracke erst zum "Lagerverkauf" und dann zur Vernichtung der gekauften Getränke. Das ging dann schon mal bis 2 oder 3 Uhr oder länger. Im Saal selbst war Rauchverbot wegen Brandgefahr. Dafür gab es einen Raucherraum, dort musste man gar nicht selbst rauchen. Der Raum war so voller Qualm das man sich dies sparen konnte.

Gern wurde das FZ von Berliner Diskotheken bespielt, wenn der Bass schön herausgearbeitet wurde, bebte die gesamte Holzbaracke. Mir in Erinnerung als Popperschuppen, Musikrichtungen wie New Wave, Dance, Funk waren da erste Wahl. Nach der Wende als soziale Einrichtung genutzt wurde sie später abgerissen. Auch wenn ich einen Großteil meiner Freizeit dort verbrachte, habe ich leider kaum ein Foto des FZ. (Foto oben: hier stand das FZ, darunter die Bar). Im Netz gibt es jetzt Bilder an denen ich aber trotz Nachfrage keine Rechte bekam. Dann muss es eben über Umwege gehen. FZ Kartenverkaufsschalter 2.Bild von oben. Google Suche 1.Treffer (Bilder), so hing man am Schalter im FZ. Jährlich findet am Markt im Brauclub unter der Galerie Roter Turm am 1.Weihnachtsfeiertag die FZ Revival Party statt. Geführt von einem Gastronomen der hervorging aus dem ehemaligen FZ, werden gern Gäste aus der damaligen Zeit erwartet. Auch DJs aus dieser Zeit (DJ Geyer ehemals Bürgermeisterbewerber oder Conny Oeser, 2018 verstorben) waren zu Gast.

FZ

FZ Bar 
Villa

(Olbersdorfer Str.)

Der kleine Bruder des FZ, nur 150 Meter entfernt. Im unteren Teil hatte ein Jugendclub sein Domizil. Oben, eine steile Treppe hinauf bis unter die Dachschräge war oft eine weitere Mugge. Ich erinnere mich noch, das ich dort oben vor einer Jury meine Einstufungsveranstaltung als DJ hatte. Rustikal eingerichtet, im Sommer Gluthitze und wer etwas mehr getrunken hatte, bekam Probleme die Treppe hinunter zu steigen. Sehr schöne Location!  

Villa 
Einheit

(Zwickauer Str.)
Die Einheit, vorher Klub der Jugend und Sportler „Fritz Heckert“, beherbergte neben Tanzsälen auch eine Kneipe. Auch für "ältere" Generationen, ich erinnere mich an den Tanz für Alleinstehende, gab es Veranstaltungen. Besagte öffentliche Kneipe rundete dieses Angebot ab. Im Hinterhof ist eine Art Umbau (der ehemalige Unterbau (Kino))in dem vorwiegend in den 90ern Techno Partys und anderes stattfanden.
Der Komplex ist total verfallen und so zog man wegen ungeklärter Eigentumsansprüche Anfang der Jahrtausendwende, zumindest mit den kulturellen Organisationen an den Rand des Kaßberges, wo es unter dem Namen Kraftwerk noch heute weitergeführt wird. Das Haus an der Zwickauer Str. verfiel immer mehr, ein Brand 2012 setzte diesem noch mehr zu. Heute sind die Eingänge vermauert und man wartet wohl auf den endgültigen Zusammenfall.  

Haus Einheit






Einheit 2 
Strickmaschinenbau

(Paul-Gruner-Str.)

Ein typischer Speisesaal eines großen Betriebes, den wir hier noch öfter begegnen werden. Damals wurde nahezu alles genutzt um Tanzveranstaltungen durchzuführen. Der große Saal, sehr hoch mit Bühne und überhohen Fenstern charakterisieren diese Location. An den Wänden die guten weißen Kugelboxen. Werktags für die dortigen Arbeiter als Speisesaal genutzt, aber auch zu Versammlungen, Frauentag oder Weihnachtsfeiern, wurde er Samstag umfunktioniert. Vorn rechts neben der Bühne die Bar und im Rücken die Essensausgabe wo es kleine Snacks wie Bockwurst gab. Bier wurde aus Senfglasartigen Behältnissen ausgeschenkt, welches stets schal war. Der Preis von ca 50 Pfennig war unschlagbar. Musikalisch ging die Reise eher zu Rockmusik. Dort wurde schon mal Give Peace a Chance auf Knien zelebriert. Anfangs fast nur Livemusik, sehr oft aus Dresden, später kamen auch Diskotheken zum Einsatz oder beides. Weil im Betrieb auch sehr viele Ungarn arbeiteten, waren die natürlich auch oft zum Tanz da. Mit allen anhängigen Problemen. Als Folge von Schlägereien flogen nachts schon mal die Stühle durch den Saal. Gewiefte Besucher hatten sich im Vorfeld an der Bar eine Flasche Mocca Edel oder anderes reservieren lassen, da gegen Ende der Veranstaltung hochprozentiges stets ausverkauft war. Zum Schluss zur ständigen Diskothek umgebaut und von Helios (DJ und Geschäftsmann H.J. Lehmann) genutzt. Nach dessen Aufgabe verfällt auch dieses Gebäude, ein Dachstuhlbrand vor Jahren beschleunigt das noch.

 

Update April 2021: Die Abrissarbeiten haben begonnen, hier rechts ein letztes Bild. 

StrickbauStrickbauStrickmaschinenbauStrickbau Abriss 2021 
Helios Disko

(Relax Bar am Busbahnhof) ein kleiner roter Flachbau von 1991-1997, ich war auch nur einmal da.
 

Helios 
Modul

(Einsiedler Str.) Einer der beliebtesten Locations der Stadt, immer ausverkauft und immer tolle Bands zu Gast. Ansonsten vergleichbar mit dem Strickmaschinenbau, auch hier handelt es sich um einen Speisesaal. Auf dem Bild ist der Saal der rechte, helle Teil des Gebäudes. Steht noch heute und wird von einem Maschinenbauunternehmen betrieben. 

Modul 
Spinnereimaschinenbau

(Altchemnitzer Str.)
Das Gebäude an der Straße ist riesig, ein kleiner Teil (rechte Seite) wurde zum Tanz genutzt. Auch hier war es der Speisesaal, der, wenn weniger Leute kamen in der Mitte durch Schiebetüren verkleinert werden konnte. Vorn eine große Bühne, fast jeder Speisesaal hatte eine solche. Und natürlich auch hier Livebands die später durch die billigeren Diskos ersetzt wurden.
Später, als der Betrieb pleite ging, wurden die riesigen Flächen vermietet und von einen Autoschrauber, einer soziale Einrichtung genutzt. Eine Kletterwand und Lagerräume entstanden. Mitunter fanden noch Veranstaltungen da statt (nicht im Speisesaal). Heute ist es sehr still geworden. Spinnbau 

Spinnereimaschinenbau 
I-Werk 

(Zwickauer Str.)
Auch hierzu fehlen mir die konkreten Erinnerungen. Und auch hierbei handelte es sich um einen langgestreckten großen Speisesaal für die Arbeiter des Industriewerkes. Nach der Wende irgendwann meine ich gelesen zu haben, das Gebäude brannte ab, der Rest vom Industrie Werk verfällt so langsam. Auf dem Bild der ehem. Standort links wo die Birken wachsen. 

Industriewerk 

8.Mai
später auch Achtermai

(Zwickauer Str.)
Noch riesiger habe ich den Saal des 8.Mai in Erinnerung. Eine hohe Bühne auf der bekannte Gruppen wie Uve Schikora und Band, Hans Jürgen Bayer (als er noch Rockmusik sang) mit Bürkholz Formation, Theo Schuhmann, Puhdys und viele andere spielten. Der Saal wurde auch genutzt als Austragungsort großer Tanzturniere und war lange Zeit ein kultureller Höhepunkt der Stadt. Bis nach 2000 tobte dort noch die elektronische Musik (Techno), die sich mittlerweile deutschlandweit zur Szenedisco etablierte und nährte die Hoffnung auf eine Perspektive. Doch der nahende Abriss lastete auf dem alten Gebäude. Ein Hickhack zwischen Treuhand und dem Betreiber entbrannte. Es nutzt nichts,  der 8.Mai, auf dessen Gelände stehen teilweise Gebäude des Niles Konzernes, der alte Speisesaal wurde abgerissen (Bilder vom Abriss von Enrico Leuschner). Hier muss er gestanden haben (Bild rechts), einige Teile des 8.Mai (nicht vom Saal) sind noch erhalten. 

8.Mai Siegmar 

VZ-Südring

(Paul-Bertz-Str.)
Die Abkürzung VZ kommt von Versorgungszentrum. Diese Zentren, standen über alle Himmelsrichtungen verstreut. Heute würde man sie als Center bezeichnen die die verschiedensten Einrichtungen beherbergten. So war stets auch eine Kneipe an Bord und ein Tanzsaal sowie Kaufhalle, Post und andere Dienstleistungseinrichtungen. Der Aufbau war fast identisch, mir fallen da ein, Südring, Südblick, Hans-Beimler, Robert Siewert Str. und Yorkgebiet.
Diese Bauten waren natürlich wesentlich moderner, weil sie ja erst später mit den Wohngebieten gebaut wurden. Die Deckenhöhe war nicht so enorm wie in den Speisesälen. Allerdings waren sie auch kleiner was der Nutzung von Gruppen/Bands Grenzen setzte. Gern wurde in diesen VZ von Diskotheken, die ja ab Ende der 70er Jahre wie Pilze aus dem Boden schossen, genutzt. Das musikalische Angebot war von Location zu Location und von Disko zu Disko verschieden. Es gab auch durchaus rockige Abende, wobei ich denke das Pop oder Disco Angebot hat überwogen. Ich hatte hier als DJ am 30.06.1990 den Abend "Die letzte Nacht der DDR Mark" bestritten. Am nächsten Morgen gab es dann Westgeld auf die Kralle.
Das VZ wurde 2012 komplett abgerissen und darauf ein Lidl und Edeka Markt errichtet. 

VZ Südring 

VZ-Südblick
 

(Markersdorfer Str.)
Ähnliches trifft auch auf dieses VZ zu. Nicht immer gab es in dem Saal nur Disko. Auch andere kulturelle Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen etc. waren fester Bestandteil. Besonders lukrativ waren die Wochentermine für mich als DJ. Mittwochsdisko für Schüler (Nachmittags) oder auch Disko von 18:30-21:30 Uhr wobei oft später angefangen wurde und eher beendet. So hat man für drei Stunden fast das selbe Geld bekommen wie für einen ellenlangen Samstagabend.
Das VZ Südblick steht zum Teil noch, ist jedoch verfallen und verwildert. Einen Teil hat sich Netto gekrallt. 

VZ Südblick 

Club M
 

(Markersdorfer Str.) heute Pavillon
Der Club M, wenn ich so nachdenke könnte das M für Markersdorf gestanden haben, steht noch heute. Es ist ein separater Bau in dem in den 80ern die Funky und Black Music Disko tobte. Ich bin dort auch mitunter gewesen und es wurde immer George Benson gewünscht. Ein Popperschuppen wenn ich den Club Kategorisieren müsste. Heute kultureller Treffpunkt der Jugend im Wohngebiet unter dem Namen Jugendclub Pavillon. 

Club M 

Würfel

(Wilhelm-Firl-Str.)
Ich kenne diesen Würfel (er hat tatsächlich keine Würfelform) nur von außen. Kann also dazu kaum etwas sagen. Neben Tanz/Disko konnte man dort an verschiedene Zirkel und Freizeitaktivitäten teilnehmen. Heute ringsum mit Graffiti beschmiert, der Bürgertreff im Heckert. 

Würfel, Firl Str. 

Schlossteichhallen

(Promenadenstraße)
Das Wort sagt es, sie standen am Schlossteich und waren Heimat von unzähligen Ausstellungen, Messen und Veranstaltungen verschiedener Couleur. Aber auch musikalische Großveranstaltungen wurden hier ausgetragen. Ich erinner mich an die TV Sendung "rund" bei der ich nicht rein gelassen wurde weil ich Jeans anhatte. Auch Konzerte gab es gelegentlich, ein Break Dance Event fällt mir noch ein. 2007 wurden sie abgerissen und seitdem ist dort ein dreckiger Fleck nebenan ein schön gestaltetes Parkstück.  

Schlossteichhallen 

Posthof

(Straße der Nationen)

Auch hier kann ich nicht viel sagen, ich war nie drin weiß aber das in der 1.Etage, etwa hinter dem Schuladen, öfter Tanzveranstaltungen stattgefunden haben. Schräg gegenüber der anfangs erwähnte Stadtkeller.
2007 wurden die Gebäude abgerissen und später der gesamte Platz neu gestaltet. An dieser Stelle steht nun ein Parkhaus. 

Posthof heute Johanisplatz 

Germania

(Schulstraße)
Auch ein Saal der sich in die lange Reihe der Betriebsspeisesäle einordnen lässt. Im ersten Obergeschoss gelegen, traten dort vorwiegend Bands live auf. Keine großen Namen aber sie beherrschten ihr Handwerk und es machte Spaß ihnen zuzusehen bzw. zur Musik zu tanzen. Auch hier wie im Strickmaschinenbau am hinteren Ende die dicht umlagerte Bar und eine Essensausgabe. In meiner Gunst kam dieser Saal noch vor dem Modul. Heute vergammelt alles und wächst zu. Immerhin ist die Form noch gewahrt, die Gardienen hängen noch an den vergammelten Fenstern. Wie lange schon? Denke um die 30 Jahre, das war noch Qualität.

Im Zuge der Recherchen hierzu stellte ich fest, das im Nebenhaus die Full Force GmbH ihren Sitz hat (Rock Festival in Feropolis).

Ikarus 

Eichhörnchen

(Meisenweg)
Nun mal etwas anderes, ein echtes Vereinsheim einer Gartenanlage. Die Eichhörnchen Events waren zweigeteilt. Zum Familientanz ein gewohntes Publikum bestehend meist aus mittlerem bis älteren Paaren die mal wieder tanzen möchten. Das war und ist jedoch nie meine Musik gewesen, bis heute.
Ganz anders zum Jugendtanz, den ich sehr oft dort durchführte. Dort kamen die "Rocker" der Gegend und ließen die Sau raus. Das lief dann so ab, Beginn 19 Uhr, 30 Minuten später wälzten sich die ersten bereits in ihren Bierlachen. Wer da um 21 Uhr nicht besoffen war, ist Außenseiter. Musikalisch ging es in die Richtung Lindenberg, ACDC, Lynyrd Skynyrd, Grönemeyer und so weiter. Mit Dance oder Disko konnten die nichts anfangen. Es war auch für mich anstrengend, da ich um mein Equipment Angst haben musste. Das Haus steht heute noch, man kann es mieten, ist aber nicht mehr öffentlich. 

Gartenkneipe Eichhörnchen 

Silbersaal

(Bernsdorfer Str.) Der Festsaal wurde 1920 erbaut und zu DDR Zeiten als Tanzlokal für Jung und Alt genutzt. Nach der Wende Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben wurden 2010 neue Anstrengungen zur Renovierung des Ehrwürdigen Hauses unternommen. Inzwischen ist auch das Fresstheater in den Saal eingezogen der sich nun Ballhaus & Restaurant Silbersaal Chemnitz nennt. 

Silbersaal 

 

Ikarus

(Dr. Salvator-Allende-Str./Stollberger Str. 100 Flughafen)

Der Club des Ikarus ist ein Stück Glasanbau an das historische Gebäude des ehemaligen Chemnitzer Flughafens (ja das gab es auch mal in der Stadt). Der Seitenflügel, dort wo vor einiger Zeit ein A&V drin residierte, war vor der Wende eine Diskothek. Ich hatte einige Auftritte dort und es hat immer Spaß gemacht. Das Musikangebot fast schon bunt gewürfelt, es ging auch schon mal in die Rockrichtung aber vorwiegend wurden Stücke wie Communards, Demo, FGTH oder Pet Shop Boys gewünscht. Das Bild zeigt den ehemaligen Eingangsbereich, heute leer stehend.

Ikarus 

Volkshaus Ebersdorf

(Frankenberger Str.228 ohne Bild, 2012 abgerissen) Hier ist mir eine besondere Episode im Gedächtnis geblieben. Es war gegen 1990, das Ende der DDR Ära war vollzogen und CD Player gab es nun auch bei uns zu kaufen. Wir waren als Disko im Volkshaus gebucht. Nun standen wir auf einer Holzbühne und als es losging, ich ganz stolz auf den CD Player, ruckelte das Ding öfter. Ähnlich einem Plattenspieler, wenn die Platte springt. Das ging eine ganze Weile so...Um mir jetzt die ganze peinliche Situation hier zu ersparen, irgendwann merkte ich das der Player unterhalb einen Transportschutz hat, der natürlich verriegelt war. Von da ab, lief die Party. 

 

Stadtwirtschaft
 

(Schüffnerstraße)
Ein ganz spezieller Platz war das Haus im Gelände der Stadtwirtschaft. Wie eine Villa steht sie zumindest wenn ich per Google Maps hineinzoome, heute noch. Das war der blanke House Schuppen. Dort habe ich die Vorstufen von Tekno und Techno zelebriert und erlebt. Ellenlange Mixe waren keine Seltenheit. Im Grunde war es ein Insiderclub da nicht viele davon wussten. Obwohl das Einzugsgebiet mit dem Sonnenberg und dem Lutherviertel riesig war. 

Stadtwirtschaft 

Ermafa

(Hartmannstrasse)
Ganz richtig ist der Begriff wohl nicht, denn der "Saal", ein langgestreckter Schlauch, befand sich im Haus links neben der heutigen Ermafa Passage. Im Erdgeschoss eines Wohnhauses (die linken drei Fenster im Erdgeschoss), die Hausbewohner waren durch eine gesonderte Tür abgetrennt. Schwierig war die Beschallung des Raumes. Durch die Schlauchform war es hinten leise während es vorn auf der Tanzfläche sehr laut war. Dies führte oft zu Beschwerden. Musikalisch lag diese Location zwischendrin. Also es wurde Funk und Disco aber auch Rap und Soul gespielt. Ein Gast erinnert sich an die Einzigartigkeit eines Honecker Bildes in so einem Club. 

Ermafa Club 

Jugendclub Glösa

(Ammernstraße ohne Bild) hier war ich einige Mal mit meiner Disko. Es war wie man so schon sagt, JWD (Jans weit draußen) also am Rande der Stadt. 


Beim nächsten Club habe ich Probleme mit dem Namen obwohl ich oft da war und auflegte. Wahrscheinlich hieß er Jugendclub Gebäudewirtschaft. Er war im Keller des Hauses Zwickauer Str. 130, direkt neben dem Meyers Diner. Ich erinnere mich an die Kellertypischen Wölbungen der Decke, der Eingangsbereich war auf der linken Seite des Hauses. Heute erinnert der Eingang an eine Grufti Fete im Gothic Style, voller Spinnweben. 

Kellerclub KellerdiskoKellerclub Zwickauer Str.
Bunker

(Alfred Neubert Str.9, Bild rechts) Im Herzen des Heckert Gebietes gelegener, ehemals nahezu Fensterloser Glotz. Heute aufgehübscht mit Glasanbau und frischen Farben. Funktion heute: Kinder und Jugendhaus Compact. Ich war nur einmal da, deshalb auch keine weiteren Infos dazu.  

bunker alias Compakt 
Roter Turm Tanzcafe

Ein Ensemble  bestehend aus Information, einem Schnellkaffee, einem Ausstellungsraum und öffentlicher Toilette. Das Tanzcafe unmittelbar am Turm, wurde abgerissen. Bild 1 Außenaufnahme, Bild 2 Innen. 

Roter Turm Gaststätte 
roter Turm innen
I-Zentrum

(Straße der Nationen links neben Decathlon) Das I-Zentrum wurde gegen Ende der 60er Jahre gebaut. Die Gaststätte war ein langgestreckter schlauchartiger Bau neben dem Stadtkeller, mit vielen Trennwänden. Wohl nicht ständig, aber hin - und wieder fand auch hier Disko statt.  

I-Zentrum 
Irkutsk

(Brückenstraße 17) Unser internationaler Stadtklub gegenüber dem "Nischel". Hier gab es schon immer mal Stress, oft wegen den in der Stadt studierenden Libyern oder Afrikanern, die auch mal mit harter Währung bestechen konnten um reinzukommen. Hochpreisig und exklusiv würde ich den Club bezeichnen. Aber, es war eben auch weit nach Mitternacht noch Party was bei weitem nicht stadttypisch war. Ideal für die, welche noch mehr brauchten. Die üblichen Locations endeten bereits 23:30 Uhr. Heute ist dort ein Chinese drin. Angeschlossen das
Pasardschik
, eine längliche Location im Verbund mit der Stadthalle. Erbaut wurde der Komplex bis 1974, Ende 1991 geschlossen. 

Pasardshik 

Schlachthof

(August Bebel Str. neben der Sachsen Allee)
Einige Male war ich auch dort um verschiedene Veranstaltungen zu bestreiten. Zum einen kann ich mich an eine Jugendweihe erinnern, zum anderen an Jugendtanz. Da ging es ziemlich chaotisch zu, viele Ausländer sorgten für eine unruhige Stimmung. Der Schlachthof hatte eine hohe Bühne, einen großen Saal und zur Toilette ging es ins Untergeschoss. Ich vermisse diese Location nicht besonders. 

Schlachthof 

Kasch

(Flemminggebiet) sollte laut Presse 2015 umgebaut werden. Sieht heute (2021) so aus. Leider mitten im Wohngebiet, wobei öfter Probleme durch den Krach entstanden.  

Kasch Flemminggebiet 
Altchemnitzer Flussbad

(Schulstraße) Auch hier habe ich keine detaillierten Erinnerungen an den Saal oder das Publikum. Habe jedoch auch hier aufgelegt. Etwa 1990 wurde der Saal geschlossen.

 

Bochmanns Ballhaus

(Frankenberger Str.31) Historisches Ballhaus aus 1876, später von Familie Bochmann übernommen und bis ca 1969 betrieben. Neben Zweinigers Ballhaus eins der beliebtesten Gasthäuser der Stadt. Tanz unter der Diskokugel, sehr beliebt und/aber viele Russen aus den Kasernen der Umgebung sind mir in Erinnerung. An der Straße ein Lokal. Später vermutlich staatlich betrieben, vor der Wende noch ein Versuch, mit erotischen Darbietungen wieder Schwung in die Kiste zu bekommen. Doch auch das scheiterte und die Location stand Jahrelang leer und kam herunter. Vor ein paar Jahren komplette Renovierung und nun als Eventcenter nutzbar. Tanz ist meines Wissens keiner mehr da.

Bochmanns Ballhaus Bochmanns Ballhaus
Elan

(Leipziger Str.)
Sorry, ich kann kaum noch nachvollziehen wo sich dieser Ort befand. Das Wort kam wohl von den Autowerkstätten, sämtliche Gebäude sind abgerissen. Es muss zwischen dem Kletterzentrum und der Mittelstraße an der Leipziger Str. gewesen sein. Auch hier handelte es sich um einen Speisesaal der nach meinem Gefühl sehr kalt wirkte aber musikalisch ging hier der Funk ab. Ihr seht, solltet ihr alles bisher gelesen haben, überall ist es etwas anders und man muss sich einstellen. Ein Gemisch von Dance, Funk und Soul dominierten. Hier konnte man auch mal Temptation, aber auch Imagination, George Duke oder verschiedene Rapsongs spielen. 

 

Waschhaus

(Max-Saupe-Str.) (ohne Bild)
Ich war nur ein oder zweimal dort. Es war ein Gebäudeteil, wie der Name verrät ein ehemaliges Waschhaus, im Hinterhof und auch relativ bekannt in der Stadt. Mehr Erinnerungen daran habe ich nach 35 Jahren nicht mehr. 

 
Kuckucksnest

(Am Stadtbad, Mühlenstr.27) seit vielen Jahren geschlossen.

Die Beschreibung, die ich fand hat mich so amüsiert, das ich sie hier ungekürzt wiedergeben möchte:

 

Kuckucksnest ist die Kneipe, in der man sich amüsiert, Spaß hat, vom Alltag abschaltet und garantiert nicht alleine ist. Kuckucksnest ist die Kneipe, in der man sich amüsiert, Spaß hat, vom Alltag abschaltet und garantiert nicht alleine ist. Vom 17-jährigen Studenten bis zum 70-jährigen Rentner ist hier alles vertreten. Die zwei Diskjockeys spielen jeden Abend nicht etwa die neuesten Hits und schrägsten Singles, sondern im Kuckucksnest sind deutschsprachige Oldies angesagt. Lieder, zu denen das ganze Lokal mitsingt und manch Jugendlicher, der Heino tagsüber in die Mottenkiste verbannt, singt abends die selben Melodien lauthals mit. Die Stimmung macht's. Der uneingeweihte Gast allerdings muß sich im Kuckucksnest erst mal orientieren. Ist er in einem Lokal oder bei Oma in der guten Stube oder ihrer alten Küche? Das Mobilar ist so zusammengewürfelt wie die Gäste, die hier jeden Abend aufkreuzen. Kein Stuhl gleicht dem anderen, kein Tisch ist so wie der andere. Der Sperrmüllplatz mit seinen tausend achtlos weggeworfenen Dingen feiert im Kuckucksnest Auferstehung. 

Fuchsbau

(Carolastraße 8) Dort war ich lediglich als Gast mehrmals. 1980 als Studentenkeller eröffnet, führte ein DJ aus der DDR, Olaf Walter. Der Name änderte sich später und zwar in Clubfx. Ab 2017 erfindet sich der Club, übrigens der älteste noch existierende Club der Stadt, neu. Es hat sich dort vieles verändert, sowohl vom Publikum als auch die Räumlichkeiten betreffend. Neues Konzept, neue Ideen, neues Logo. 2020 feierte man 40 Jähriges Jubiläum und erscheint wieder wie gewohnt als Fuchsbau unter veränderter Führung. Frisch nach dem Motto, "back to the Roots". Musikalisch sind Black, Alternate und House führend. Fuchsbau

 

Die nun folgenden Clubs kenne ich lediglich dem Namen nach, war dort nie (zumindest nicht als DJ) kann also nichts weiter darüber erzählen. Vielleicht können mir die Leser ihre Erfahrungen schreiben.

VZ Beimler (Carl-von-Ossietzky- Str.153)

Waschhaus (Max-Saupe-Str.)

Buchungsmaschinenwerk (Buma)(Paul Gruhner Str.)

Trabant (Zwickauer Str.) Ebenfalls abgerissen und an diesem Platz ein völlig neues Gebäude errichtet.
VEB Diamant (Nevoigtstr.6)

York VZ (Scharnhorststraße) als Multikulti beschrieben.
Nicht aufgeführt sind die unzähligen Gartenkantinen (Ausnahme Eichhörnchen). Der schlaue Wirt veranstaltete so oft wie möglich Tanzveranstaltungen um die teils heruntergewirtschafteten Kneipen mit ihren braunen Gardienen zumindest finanziell zu sanieren. Nach Ende der DDR ging es dann auch mal frivol zu, oben ohne Bedienung oder Tanz an der Stange konnten die meisten jedoch nicht in das neue System retten. Auch was mir zu weit von Jugendtanz (also Familientanz)weg erschien, habe ich versucht auszusparen (Platner Hof, Trabant). Wichtig auch, nur Locations die sich innerhalb Karl-Marx-Stadt befanden kommen hier rein. Ich weiß aber, auch und oft vor allem ging es auf den "Dörfern" wild zu und wir Städter reisten gern und oft auf die umliegenden Dörfer.

Es ist mir klar, das ich viele vergessen habe aufzuzählen. Es sind reine private Aufzeichnungen aus meinen und den Erinnerungen der Leute die mir halfen (mit einem Abstand bis zu 40 Jahren). Ausdrücklich hier die Aufforderung, wer noch Erinnerungen/Bilder an diese oder andere Locations in Karl-Marx-Stadt hat, bitte melden. Hat jemand Erinnerungen an den Aufbau Club Haydnstr.? webmaster@studio89.de

Bildquellen: studio89.de, privat, chemnitz-gestern-heute.de, unbekannt

© Mai 2021 www.studio89.de/

 Studio 89

Copyright © Studio89.de 2001-2021Hilfe89 Suchepowered by nedlog Design by: Johannes Konze