Studio 89

Das Original

"Das ist das einzige Radioprogramm mit Garantie. Es gibt keine heißere Show! Wenn es eine gäbe, würden wir unsere einstellen"(B.Graves)
Der real existierende DJ in der DDR
  1. Disco Fieber erwischte die DDR
  2. Technik in der DDR Disko
  3. Tanzmusikentwicklung in der DDR
  4. Vorschriften , Kontrollen
  5. Alltag des DDR DJ's
  6. Einsatzorte
  7. Preise in Diskotheken
  8. Beispiel: Playlist Podiumdiskothek lest dazu auch: Rockmusik in der DDR weiter unten
  9. Bücher über Rockmusik in der DDR

    mehr über die DDR im DDR-Lexikon

    Der DJ in der DDR (GEMA gesperrt) Teil 2

Der DJ in der DDR

Disc(k)o in der DDR! Als schließlich die Diskrepanz zwischen der "westlichen Discomusic" und der DDR Tanzmusik zu groß wurde, musste etwas her, das der "westlichen Musik" entgegenzusetzen war. Bis dato ging man in der DDR noch hart ins Gericht, wenn es darum ging, diese "westliche Discomusic" zu kritisieren (imperialistische Unkultur). Die FDJ-Zeitung "Junge Welt" schreibt noch 1978 "Travolta - mag er noch so gut singen, tanzen und spielen, wurde zum erneuten Bewies dafür, mit welcher Differenziertheit die Ideologen des Kapitals die Register ihrer Propaganda ziehen: Travoltas Disco-Feuer, seine Rock-Romantik macht den kapitalistischen Alltag plötzlich zu einer vernünftig zu erfüllenden Pflicht, die Disco wird zum einzigen Tummelplatz des Glücks", und weiter, sie sei ein glitzerndes "Getto, in dem man sich geheime Sehnsüchte einfach von der Seele tanzt, ehe man wieder brav, vor allem ohne fragen in den Alltag tritt" Übrigens hatten die SED Medien auch Elvis und die Beatles zu Anfang bekämpft um sich dann später damit abzufinden und sogar "fortschrittliche Züge" zu entdecken.

Doch zurück zur DDR Tanzmusik. Ein Schlüsseljahr dazu waren das Jahr 1973 und die Weltfestspiele in Ost-Berlin. Es wurde beschlossen, ebensolche Musik im eigenem Lande produzieren zu lassen. Man kam halt nicht umhin, zum einen stand die 60/40% Forderung aus dem Jahre 1964, zum anderen waren die Diskos in der DDR nun auch nicht mehr zu ignorieren. Um jedoch die Forderung nach 60% nationalen Titeln umzusetzen, musste es mehr tanzbare Musik geben, die sich für den Einsatz in Diskotheken eignete. Nicht abzusprechen ist, die Talente, die Potentiale waren da, nur dieser Stil war bisher eher unerwünscht. Gruppen und Interpreten die diese Nischen bedienten schossen plötzlich wie Pilze aus dem Boden.

Typische Beispiele dafür sind: IC, Ralf Bursy, Arnulf Wenning, Dialog, Holger Biege, Neoton Familie (Ungarn), Set, Modern Soul Band, Kreis, Reggae Play, Thomas Lück, Wolfgang Ziegler und die Primaner. Aber auch prominentere Beispiele wie: Wolfgang Lippert, Achim Mentzel, die Puhdys und Karat will ich in dieser Lückenhaften Aufzählung erwähnen. Einige dieser produzierten Titel waren, das muss man unumstritten zugeben, echte Knaller. Wenige davon setzten sich sogar international durch.

Auch in der damaligen DDR

gab es natürlich Diskotheken. Spielerlaubnis staatliche Spielerlaubnis der DDRUm sich allerdings vom "Westen" abzuheben, mussten einige Unterschiede gemacht werden. So hieß der DJ bei uns Schallplattenunterhalter oder Diskomoderator und die Disco wurde mit k geschrieben "Disko" (mehr zur Discomusik siehe Disko in der DDR). Eine Besonderheit für alle DDR DJ´s war die alle  2 Jahre stattfindende Eignungsprüfung, nach der dann die Einstufung in verschiedene Kategorien erfolgte. So gab es die Kategorien A für Anfänger mit satten 5,- Mark Stundenlohn.

Rebell DiskoAber auch in der Stufe B, C, S (6,50/8,50/10,50,-Mark/Stunde) konnte man mit dem Verdienst keine großen Sprünge machen. In diesen Einstufungsdiskotheken wurde getestet, ob und wie der Bewerber in der Lage war, sein Publikum zwei Stunden lang niveauvoll zu unterhalten und wie er aktuell richtig auf politische Höhepunkte reagierte. Das Bild (rechts ) zeigt eine staatliche Spielerlaubnis für DDR DJ's, die so genannte "Pappe".

Technik

war offiziell in der DDR nur in minderer Qualität oder gar nicht vorhanden. Also blieb der Weg des Selbstbaus von Anlagen, Kabel und Zubehör. Dabei beschritten die DDR DJ´s keinen neuen Weg, denn Selbsthilfe war bei uns in der DDR auch in anderen Bereichen selbstverständlich. Ich erinnere mich z.B. das es in Görlitz eine Firma gab, die die Spulen der im DDR Großhandel erhältlichen 50 Watt Lautsprecher, auf 100 Watt umwickelte (Rechnung). Mit dem Trabi nach Görlitz und zurück, eine Tagesreise. Lichtanlagen wurden fast immer im Selbstbau hergestellt. Meine Scheinwerfer bestanden aus Ofenrohren, die Ständer dazu baute ich im Betrieb, vorn Autoscheinwerferglas eingefärbt mit Glühlampenfarbe. Beliebt waren auch Schwarzlichtlampen, früher UV-Lampen genannt. Dazu gab es im Farbenhandel Leuchtfarben, damit bemalten wir unser Diskoplakat. Von Vorteil war es als DDR DJ, wenn man "Westkontakte" oder viel Geld (am besten beides) hatte. Dann konnte man mit Anlagen auffahren, von denen Normalo DJ´s nur träumen konnten. Denn, mit Geld war auch in der DDR fast alles zu haben, zumindest wenn es in der richtigen Währung war. mehr zu DDR DJ-Technik

Ein besonderes Kapitel

waren die vielen Vorschriften und Empfehlungen, die ich hier auch einmal kurz streifen möchte. Da sind zum einen die AWA-Lizenzen (Anstalt zur Wahrung der Urheber- und Aufführungsrechte).

AWA Liste
AWA-Lizenzliste

Allgemein bekannt, die 60/40 Regelung. Es war die Pflicht eines DDR - DJ's, 60% der gesamten Musikfolge eines Auftrittes, aus der DDR oder aus dem sozialistischen Ausland (RGW) einzusetzen. Die restlichen 40% waren so genannte nichtsozialistische Titel (NSW), die, wenn sie nicht von Platten oder Kaufkassetten kamen, nur in einer im DDR-Rundfunk laufenden Sendung mitgeschnitten werden durften, der "Podiumdiskothek". Sie lief alle 14 Tage für eine Stunde im "Berliner Rundfunk". Eine andere Sendung hieß "Metronom" (ausschließlich Titel zur 60% Kategorie). Außerdem wurde die Playlist in der Zeitschrift "Junge Welt" abgedruckt und jährlich in "In Sachen Disco" (weiter unten) zusammengefasst. Nur in der Podiumdiskothek wurden internationale Titel zum Mitschnitt und zur Veröffentlichung in Diskotheken im Verhältnis 60/40 siehe unten stehende Tabelle angeboten. Pro Musikminute wurde eine Gebühr von 20 Pfennig berechnet. Außerdem gab es in unregelmäßigen Abständen in den Plattenläden Lizenzplatten. Das waren Übernahmen von Veröffentlichungen zumeist aus der BRD. Es entstand ein regelrechter Sammelwahn dieser Platten zu 16,10 Mark. Ein DJ bekam mit seiner staatlichen Spielerlaubnis bevorzugt diese begehrten Scheiben. In unserer Stadt als sogenannte Bückware, also Sachen die unter der Kasse lagerten (als Bückware galt fast alles außer Rotkohl, Weißkohl und flockiges Bier). Doch zumeist waren sie innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Am voraussichtlichen Verkaufstag standen oft um die 100 Leute schon 2-3 Stunden vor Öffnung des Geschäftes in einer Schlange. Doch möglicherweise gab es an diesem Tag keine Lizenzplatten, so löste sich die "sozialistische Wartegemeinschaft" sehr schnell auf.

Öfter gab es Kontrollen

um die Einhaltung der 60/40 Regelung zu gewährleisten. Natürlich konnte sich kein DJ an diese Regelung halten. Ihm währe das Publikum weggelaufen. Einzige Ausnahme, oben erwähnte Eignungsprüfung. Dort wurde Diskothek zelebriert, wie sie die DDR-Offiziellen hören und sehen wollten. Und dies sah so aus: Zuerst wird ein Eignungsgespräch geführt, dabei wurde die Persönlichkeit, die weltanschauliche Haltung, Allgemeinbildung und die Fähigkeiten zur Kommunikation des Bewerbers eingeschätzt. Danach fand ein Eignungstest vor Vertretern der Bezirkskulturakademie, des Bezirkskabinetts für Kulturarbeit und/oder Vertretern der Bezirksarbeitsgemeinschaft Diskotheken und der FDJ statt. Der DJ sollte neben einem Konzept auch die gesamte Musikfolge als Liste vorlegen. Schon das stellte viele vor schier unlösbare Aufgaben.

Ich z.B. hatte mich nie besonders für DDR Musik interessiert und nun sollte ich mir 60% davon aus den Fingern saugen? Gern gesehen und teilweise verlangt: Spiele, Quizrunden und andere zur Animation anregende Einlagen. Der Alltag sah allerdings oft ganz anders aus! Die Jugendlichen kamen nicht in eine Disko um sich in Spielen und Quizrunden zu ereifern. Ständig strenger werdende Regelungen erschwerten zudem die Auftritte der DJ's. So gab es Zeiten, in denen die AWA verlangte, Titellisten eines jeden Auftrittes anzufertigen (ähnlich der Rundfunkplay-/Lizenzlisten). Diese Listen konnten nur unter großem Zeitaufwand erstellt werden, da die darauf aufgeführten DDR-Titel meist nicht im Repertoire des DJ's waren und erlogen werden mussten. Somit war auch dieses Kapitel DDR nur Lug und Trug. Allerdings hatten wir hinterschwellig das Gefühl, das man uns oftmals gewähren ließ, so lange wir uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnten (Sonderzug nach Pankow, Mädchen aus Ost Berlin). Immerhin hatten wir auch die Aufgabe, die Jugendlichen ruhig zu stellen, zufrieden zu machen so weit das möglich war. Zufriedene Jugendliche meutern nicht so schnell wie eine unzufriedene Menge.

Der DJ in der DDR

genoss eine umfangreiche Ausbildung. Sprachunterricht, Musik und Musikdramaturgie gehörten ebenfalls zu dieser Ausbildung wie Programmgestaltung und der Umgang mit der Technik. Um dies umzusetzen, gab es verschiedene Möglichkeiten: Elementarlehrgänge, Weiterbildungsveranstaltungen, Kreisarbeitsgemeinschaften, Diskoklubs und Werkstätten sowie die Zentrale Förderklasse Diskothek. Daneben bemühte sich die SED verstärkt, das fahrende Volk sesshaft zu machen. Denn von den inzwischen 6000 Schallplattenunterhaltern (Stand 1979/80) sind mindestens 5000 Besitzer von rollenden Diskos.

Der Alltag des DJ's

in der DDR: Gegen Jahresende wurden die Verträge für das kommende Jahr ausgehandelt, im günstigsten Fall schon vorher. Bekanntere Diskotheker hatten eine Art Manager, die diese Aufgaben erfüllten. Die unbekannteren zogen selbst von Club zu Club, ich nenne es im heutigen Jargon "Klingelputzen". Viele Termine für das kommende Jahr wurden auch bei oder nach erfolgreichen Auftritten ausgehandelt. Viele DJ's arbeiteten hauptberuflich als Hausmeister oder anderen Alibistellen. Dort blieb gleich noch die Zeit, neben der Arbeit Sachen zu bauen/reparieren die für die "Mugge" gebraucht wurden. Die anderen mussten sich officiell eine Erlaubnis der Arbeitsstätte einholen um nebenberuflich tätig werden zu dürfen.

Abends vor dem Auftritt, das Auto/Hänger beladen. Zu damaliger Zeit hatten nur die wenigsten Clubs eine eingebaute Anlage, so musste der DJ seine eigene Anlage auf- und abbauen. Das machte sich auch finanziell günstiger. Denn dafür gab es pro 50 Kg/km eine Entschädigung. Gut für den, der einen weiten Anfahrtsweg hatte. Lohnend war das Geschäft mit der Wegstrecke allemal. Dazu gab es pauschal für Tonträger 15 Mark und für die Technik 25 Mark. Wie schon erwähnt, lag die Realität einer "Mugge" weit ab von den Forderungen der "Offiziellen". Aus dem 60/40 Verhältnis wurden Schlechtesten falls 0/100%. Spiele, Modenschauen, Quizrunden und andere aus heutiger Sicht Diskofremde Einlagen fielen meist unter den Tisch. Die Jugendlichen nutzten die Diskothek, wie es heute noch der Fall ist, als Treffpunkt, Kontaktbörse, zum tanzen und zur Selbstdarstellung. Sie wollten einfach abhängen, ohne irgend welches intellektuelles Geschwätz. Keiner kümmerte sich um dem Bildungsauftrag. Diskoveranstaltungen gab es zu verschiedenen Zeiten. Am frühen Nachmittag für Kinder und die wohl üblichste Form, die Jugenddisco, fand meist von 19:00 Uhr bis 23:30 Uhr statt. Es gab auch Ausnahmen, wie Nachtclubs u.ä. dabei lief die Veranstaltung bis in den frühen Morgen.

Auftrittsorte des DJ's

Die Veranstaltungsorte wahren sehr breit gefächert. Diskotheken waren in den 70ern noch nicht sehr verbreitet (laut Schätzungen gab es erst 10 Lokale die Diskos abhielten), aber sehr viele Tanzveranstaltungen, oft Jugendtanz genannt wurden angeboten. Aus Mangel an geeigneten Häusern fanden diese meist in Speisesälen großer Fabriken statt, die zugleich als Kultursaal dienten und mehreren Hundert Personen Platz boten. Trotzdem waren sie an den Wochenenden immer gut gefüllt. Huch wird manch einer heute denke, Underground. Bei weitem nicht, die Säle waren sporadisch eingerichtet, alles was zu viel war verschwand in der Ecke. Die Essenausgabe, an der die Arbeiter in der Woche täglich ihr Mittagessen abholten, wurde zum Tresen umfunktioniert und eine kleine Bühne, nicht selten mit sozialistischen Symbolen im Hintergrund, war oft vorhanden. Schließlich fanden in diesen Sälen auch betriebliche Veranstaltungen statt (Weihnachtsfeiern, Betriebsvergnügen, Frauentag, Gewerkschaftswahlen u.a.). Wir reden hier vom Osten.

Später kamen noch die vielen Jugendclubs hinzu, diese wurden vor allem als Treffpunkt der Jugendlichen genutzt. In einigen fand fast täglich Disko statt. Nebenher dienten diese Clubs als Zirkeltreffpunkt. Mal-, Töpfer- ,Lese und andere Zirkel bereicherten die Freizeitgestaltung der Jugend. Oft waren es Neubauten in Neubauvierteln, die nur zu diesem Zweck errichtet wurden. Anders im ländlichen Gebiet. Diese Jugendlichen hatten bei weitem nicht so viele Möglichkeiten, sich kulturell und schöpferisch zu betätigen. Abgesehen von den oft sehr langen Anreisewegen, bestanden dort die Jugendclubs immer noch aus heruntergekommene Schuppen oder abgewrackte Gastwirtschaften. Mit den Diskoveranstaltungen verdiente sich der Wirt eine goldene Nase. Die betrieblich organisierten Veranstaltungen fanden immer in den riesigen Speisesälen der Großbetriebe, die zugleich als Kultursaal dienten, statt. Obwohl jedes Wochenende sehr viele Veranstaltungen angeboten wurden, reichte es oft nicht aus und so entstand ein riesiges Gedränge an der Eingangstür, was sicher auch dem niedrigen Eintrittspreis geschuldet war. Der FDJ Ordnungsdienst hatte die Lage zu kontrollieren, wofür dafür mitunter ein Gehalt gezahlt wurde.

Preise

Ich erinnere mich gern an die sehr humanen Preise. Eintrittspreise von 3,10 Mark bis 5,10 Mark, in ländlichen Gebieten teilweise weniger, waren keine Seltenheit (10 Pfennig Kulturabgabe). Auch die Getränkepreise konnten sich sehen lassen, der halbe Liter Bier ab 50 Pfennige, Schnäpse ab 1,10 Mark, Cola- Wodka 1,60 Mark und Speisen weit unter 5,-Mark konnte sich jeder leisten. Ich bin mitunter mit 10 - 20 Mark weggegangen und war anschließend besoffen. Etwas gehobener waren die Nachtclubs, aber auch da konnten wir uns als Lehrling noch etwas leisten. Alles in allem war es möglich, jedes Wochenende in Diskotheken zu gehen ohne Monatsmitte pleite zu sein.

Abschließend

möchte ich jedoch auch noch erwähnen, nicht alles ist nutzlos oder schlecht gewesen. Einige Showeinlagen während einer Diskoveranstaltung finde ich durchaus ok. So hatte ich hin und wieder einen Breakdancer im Programm. Auch die Auftritte eines Gitarristen, der Neil Young oder Bob Dylan live darbot, fand ich als gelungene Bereicherung einer "Mugge". Den Sprachunterricht will ich ebenfalls an dieser Stelle erwähnen, wobei dieser für mich als Sachse besonders wichtig war ! :-)) Die Moderation ist, wenn sie gekonnt und gezielt eingesetzt wird, ein gutes Mittel eine Veranstaltung zu leiten. Zumindest aus damaliger Sicht. Mit dem Ende der DDR gab ich auch meine Diskothek auf, aus persönlichen und privaten Gründen. Die letzte Nacht der DDR Mark (siehe Faksimile unten), war also symbolisch auch die letzte Nacht meiner DJ Laufbahn.

Und ich schließe meinen kleinen privaten Rückblick auf die Geschichte des DDR DJs mit einem Zitat, welches mich sehr lange beschäftigte. Es stammt aus dem Buch "DJ West Radio" von Sascha Lange:

"Nein, ich bin nicht traurig, das diese Zeit vorbei ist. Ich bin wahnsinnig froh, daß ich diese Zeit erlebt habe."

letzte DDR Disco

© 2011 by nedlog, damals ®Trend Diskothek Karl-Marx-Stadt (oben Zeitungsausriss)

Sendung vom 19.05.1977 Nr. 95K = Komponist / T = TextZeito = West / x = Ost
1. Livin Thing - Electric Light OrchestraK: Lynne03:30o
2. Rock'n Roll - ClownK: Harpo / Palmers03:50o
3. Dr. Love - Tina CharlesK: Biddu02:55o
4. Telegramm - Silvester ConversationK: Levay / Kunze02:55o
5. Silver Bird - UFOK: UFO06:45o
6. Blinde Kuh - WirK: Ziegler / T: Demmler02:20o
7. Wer ist das Mädchen? - SetK: Heinrich / T: Demmler03:00o
8. Tanz im Club - ElefantT: B. Lasch02:50o

Sendung vom 18.12.1986 Nr.339K = Komponist / T = TextZeito = West / x = Ost
1. Musique Non Stop - KraftwerkK: Kraftwerk05:43o
2. Seance - R-GoK & T: Szikora, R-Go03:40x
3. Ich lieg auf dem Bett - V. Moto-RockK: Menyhart T: Demjen03:15x
4. Infected - The TheK: Johnson04:49o
5. Salesman - Stan RidgwayK: Ridgway05:28o
6. Der gestohlene Roboter - M.G. 49K & T:Galla03:10x
7. Les Kelötem Egy Scrac Utan - LindaK & T: Bornai / Linda / Szikora02:50x
8. Ask - The SmithsK: Morrisey / Marr03:00o
9. Sei mal 5 Minuten still - datzuK: Oleak / T: Lorenz04:50x
10. Jumpin' Jack Flash - Aretha FranklinK: Jagger / Richards06:08o

(Tabelle oben) Beispiel: Ausschnitt aus der Playlist der DT64 Podiumdiskothek / Heft "In Sachen Disko". Ein x in der letzten Spalte steht für den 60% Anteil, ein o für Titel aus dem nichtsozialistischem Ausland. Seite aus "In Sachen Disco" Nr.: 25 von 1979

DT 64

Disco-Fieber erwischte die DDR

aus rechtlichen Gründen zeichnerisch
verändertes Logo von DT 64,
die Rechte besitzt der MDR hier

Gegen Travoltas Sprünge wettern die Ideologen vergeblich ("Berliner Stimme" vom 13.01.1979)  Leseprobe:

Vor einiger Zeit mochten die SED-Ideologen bei der stattlichen Zahl von 50 Millionen Diskotheken Besuchern im Jahr noch auf einen baldigen Umschlag in Discomüdigkeit hoffen. Inzwischen müssen sie fürchten, dass das „Saturday Night Fever" auch in die DDR überschwappt. Schon mühen sich besonders die Jugendzeitungen, den neuen westlichen Teenager-Star John Travolta zum bösen kapitalistischen Propagandatrick-Buben abzuwerten. "Travoltas Disco-Feuer", so die FDJ-Zeitung „Junge Welt", "mache, den kapitalistischen Alltag plötzlich zu einer vernünftig zu erfüllenden Pflicht". Die „Disko" werden zum „illuminierten Getto, in dem man sich geheime Sehnsüchte einfach von der Seele tanzt, eh man wieder brav, vor allem ohne Frage, in den Alltag tritt".

Disco in der DDRDie, DDR-Tanzmusik, so bemängeln die Kritiker schon seit langem, habe etwas allzu diffus Allgemeinmenschliches oder Privates. Sie spiegele nicht den DDR-Alltag in seiner Unverwechselbarkeit. Der kritische Gestus werde einem glatt polierten Sound zum Opfer gebracht. Die Anfälligkeit für den neuen westlichen Soft Touch liege da auf der Hand, und das um so mehr, als die DDR-Jugend die Ideologenschelte an „ihrer" Musik offenbar teilt. Mehr (oben-Auszug aus einem Artikel von Gisela Schütze in der "Berliner Stimme" vom 13.01.1979)

Fortan erschienen Bücher, Hefte und andere Lektüre zum Thema Diskomusik und Diskothek. Bereits 1957 erschien die DDR- Fachzeitschrift "Melodie und Rhythmus". 1964 nimmt das "Jugendstudio DT 64" seine Sendetätigkeit auf. Erst August 1968 folgte die späte Rache des RIAS in Form des "RIAS Treffpunktes". Der SFB diskutierte noch einige Jahre länger darüber, ob Jugendliche eine so wichtige Zielgruppe seien, um einen "eigenen" Sendeplatz vor den Abendnachrichten zu erhalten. 1970 wird die Sendung "DT 64- Musikstudio" als erste Hitparade mit ausschließlich Titeln aus sozialistischen Ländern gestartet. Es entstanden Konzepte für die verschiedensten Veranstaltungen (von der Kinderdisko bis zum Rentnerschwof). Quizrunden, Spiele, Modenschauen aber auch Dokumentarfilme, politische Belehrungen und andere Elemente sollten in die Diskoveranstaltung eingebaut werden um eben die Distanz zum Westen herzustellen oder sich des Vorwurfes eines einfachen Kopierens zu entledigen. Nebeneffekt: Der Schallplattenunterhalter erhielt die Rolle des Psychologen, Pädagogen und Marxisten-Leninisten und die Aufgabe, sozialistische Lebensweise zu propagieren. Dabei waren die Gegebenheiten Anfangs sehr schlecht.

Die Welt schreibt 31.12.1979 in einem Beitrag:

Travolta - Sound mit Klassenbewusstsein

Honeckers Discos fiebern im 60:40- Takt:"...quält sich der Discjockey- Kollege aus Leipzig in mitropaähnlichen Räumen mit einer mitgebrachten 50-Watt Stereoanlage ab- und mit den Kulturfunktionären." Den denen ist das Überschwappen der Disco-Welle ein Dorn im Auge. Die Jugend reagierte auf ihre Weise. "Statt des miefigen DT64-Jugendstudios holten sie sich über Westsender ihre Musik. Und wenn von 23-5 Uhr Rockpalast lief, gehen auch in der DDR die Lichter nicht aus." Offiziell blieben die Wünsche der Disco- Besucher unberücksichtigt. Den Funktionären war der Parteiauftrag wichtiger. "Wenn wieder 'ne 60er Musik kommt, kannste Limo trinken gehen", sagt ein Ost-Berliner Disco Besucher und meinte die 60% Quote. Dabei hat selbst das Leipziger Zentralinstitut für Jugendforschung herausgefunden: Die Motive für einen Disco-Besuch sind Tanzen, mit Freunden Zusammensein und Musik hören. Nicht ein einziger von den 1000 Befragten sprach vom Bildungsauftrag der Discos. Später, oder sollte ich sagen gegen Ende der DDR sah man das wahrscheinlich nicht mehr ganz so steif mit dem 60%:40% Auftrag, wie Playlisten aus der Sendung "Vibrationen" vom März 1989 belegen (Bild rechts).

Literatur für den DDR DJ

In Sachen DiskoIn Sachen Disko
Diese Hefte beinhalteten die Titelauswahl der Sendungen des Jugendradios DT 64 "Podiumdiskothek" so wie der Sendung "Metronom", nebst methodischen Hinweisen für den Diskotheker. (0,70 M)

Ratgeber in Sachen DiskoEin Ratgeber in Sachen Disko (aus dem Jahre 1986)
Hier wurde das Thema Disko fast schon wissenschaftlich zelebriert. Musikanalysen, AWA, Aus- und Weiterbildung, Leistungsvergleiche, Rundfunksendungen und Recht sind die Themen dieses Heftes. Auch empfohlene DJ Sendungen sind hier zu finden.

Wir gehen in die DiskoWir gehen in die Disko:
Paradebeispiel für die vielen Publikationen, die in den 70er Jahren erschienen. Dieses Heft (1977) beinhaltete alles, was ein DJ in der DDR brauchte. Angefangen von der Konzeption einer Veranstaltung über Spielrunden, Bewertungskriterien bis hin zu Gesetzestexte, Vertragsformulare und vielen anderen Beispielen. An dieser Stelle will ich mal einige Überschriften aus diesem Heft wiedergeben, die, nach heutigem Maßstab sicherlich zum schmunzeln anregen dürften.
1. Jugendliches Diskopublikum (Strukturen, Interessen, Erfahrungen) "Das war dann schon mal die Einleitung, die einen Erklärungsversuch machte, warum Jugendliche in die Disko gehen und was sie dort erwarten".
2. Warum ist für Jugendliche die persönliche Kommunikation in der Disko so wichtig? "...auch die FDJ- Gruppe, Arbeitsgemeinschaften und der Treff mit Mitschülern bzw. Arbeitskollegen sind wichtig für die Gestaltung der Freizeit."
3. Musik (Titelanalyse, Repertoireerarbeitung, Auswahlmotive, Musikprogramm, Literatur- hinweise) "Hier wird dem DJ nahegelegt, was ist Diskomusik, wie kann ich ein Repertoire erarbeiten und wie sollte der Diskomoderator einen Titel analysieren".
4. Informationen (Quellen, Archivierung, Be- und Verarbeitung) In diesem Kapitel wurde z.B. nach sprachlicher Ersetzung von Fremdwörtern gesucht. Beispiele: Hit- Parade = Wertungssendung Keyboards= Tasteninstrumente. Schließlich gab es in diesem Heft wieder einmal die Gesetzestexte und Bewertungskriterien einer Beratergruppe. Zum Abschluss soll nicht unerwähnt bleiben, das natürlich auch viel für die "Aufklärung" des DJ's in der DDR getan wurde.

Tips für Spielmeister"Tips für Spielmeister" (Zentralhaus- Publikationen 1980)
Weniger informativ, dafür aber zumindest aus heutiger Sicht um so lustiger ist dieses Heft. Eine Anleitung für die verschiedensten Feste, beginnend mit der Kollektivveranstaltung über Familien- Brigade- Haus- und Hoffeste, bis hin zu Schul- und Klassenfeste und Kinderfeste (4,80 M)

Music Power DannebergMusic Power(Leipzig 1985)
von Georg Danneberg und Lutz Kohlschmidt "entlarvt" auf gut 140 Seiten das Geschäft mit der Droge Musik im Westen. Das Büchlein untersucht, wie in den kapitalistischen Staaten Hits, Stars und Fans gemacht werden. In der Tat wissen wir ja heute selbst, wie schmutzig das Musikgeschäft wirklich ist, oder wir glauben es zu wissen. Allerdings, es ist noch viel schlimmer! Hitparaden, Fans und Interpreten werden manipuliert, Musik ist eine Macht! Gedankengut wird transportiert, Mode wird gemacht und die Kassen klingeln kräftig dabei.

Rockmusikliteratur in der DDR

Lexiken und Nachschlagwerke:

  1. PS-Rock Musik von Stefan Lasch
  2. Rock- Interpreten, Autoren, Sachbegriffe (unser DDR Rocklexikon)
  3. Handbuch der populären Musik
  4. Rock Pop international

Brief Udo Lindenberg's an Erich Honecker und die dazugehörige Stasi Dokumentation . Rechtliche Einschätzung der Stasi zum Liedtext von Lindenbergs "Sonderzug nach Pankow"

Rock Musik, LaschIn den 80er Jahre erschienen massenhaft Publikationen zum Thema DJ speziell und Musik allgemein. Scheinbar wurde frühzeitig der Bedarf nach Informationen aus diesem Bereich erkannt. Es war ja auch etwa die Zeit, in der Diskos wie Pilze aus dem Boden schossen.

1. Bereits 1980 erschien beim Verlag "Tribüne" Berlin das Heft "Rock Musik" von Stefan Lasch. Lasch war bekannt vom Jugendstudio DT 64 (Berliner Rundfunk) und der "Podiumdiskothek". Außerdem schrieb er einige Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, sowie für die Reihe "In Sachen Disko". In dem Heft werden Anfangs Stilrichtungen erläutert (Blues, Reggae, Soul, Schlager u.a.). Weiter geht es über verschiedene Soundrichtungen (Memphis, Motown, Disko-Sound). Am Ende kommt es dicke! Im Kapitel "von der Kopie zum eigenen Profil" wird die Entwicklung der DDR-Rockmusik umschrieben. Dabei wird festgestellt, gab es 3 Phasen:
1964-1971:erste Erfahrungen mit eigenen Textsujets und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten.
1972-1977: Herausbildung spezifischer musikalischer Profile und vielfältige, unverwechselbare Textsujets.
1978-1982: internationale Wertschätzung und Anfänge einer zweiten Rockgeneration. Ich lass das mal so unkommentiert stehen. Insgesamt war es, wegen der Mangelwirtschaft und den fehlenden Möglichkeiten an Westdeutsche Publikationen zu kommen, eine recht gute Quelle der Information. Texte englischer Titel wurden in Deutsch abgedruckt (Satisfaction, A Hard Days Night, White Room, Hiroshima, Happy Birthday u.a.). Für Leute ohne Westkontakte eine willkommene Ergänzung.

Rock2.Ein weiteres Werk (links), was ich zugegebenermaßen recht oft nutzte war "Rock- Interpreten, Autoren, Sachbegriffe" (1983). Dieses, ursprünglich als "Beatlexikon" bekannt gewordene Buch, zusammen mit dem "Handbuch der populären Musik" (Wicke/Ziegenrücker -1985), bildeten für mich zu der Zeit wichtige Informationsquellen. Immerhin konnte man auf 272 Seiten Informationen von AC/DC bis ZZ Top beziehen. Dazu eine "Amiga" Plattenübersicht (Beat/Rock) der Jahre 1965-1982. Was beide hier vorgestellten Bücher gemein haben und womit wir wieder zum Thema der Seiten kommen, beide beziehen sich im Quellenverzeichnis auf das "Rocklexikon" von Barry Graves. Das dieses Werk als eine Art Reverenz herangezogen wurde, hat mich schon damals stolz gemacht, denn ich war bereits zu dieser Zeit von Graves und seiner Art der Moderation und Präsentation gefangen. Später konnte ich Barry Graves "Rocklexikon" endlich kaufen.

 

Handbuch der populären Musik3.Auf über 500 Seiten kommt dieses Buch mit dem Untertitel "Handbuch der populären Musik" daher. Das recht seriöse Machwerk aus der Schmiede "VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig" bietet nahezu für jeden Musikgeschmack Informationen. Geschrieben und recherchiert von Peter Wicke und Wieland Ziegenrücker reicht das Spektrum von A wie abmischen bis Z wie Zyklus. Allein die Bibliographie umfasst 19 Seiten, schon daran lässt sich der Aufwand ermessen mit dem die Autoren 1984 dieses Buch erstellten. 1988 erschien ein weiteres Nachschlagewerk für internationale Rock Popmusik.

 

 

Wochenpost, Rock und Pop4.In "Rock Pop international" (Sonderausgabe der Wochenpost zum Solidaritätsbasar der Berliner Journalisten) werden 13 Jahre "Wochenpost- Musik- Kartothek" aufgearbeitet und in Heftform bereinigt herausgegeben. Mit viel schwarz/weiß Bildern versehen gibt es Infos von Arnulf Wenning, EAV, Falco, a-ha, Rockhaus über Michael Jackson bis zu Ulla Meinecke. Die Texte schrieben so bekannte Kritiker wie Bernhard Hönig oder Peter Wicke (siehe Punkt 3), oft fehlen jedoch jegliche Angaben dazu. 100 Seiten Information auf die man zu dieser Zeit mangels Westkontakte angewiesen war. Weitere Pop Bücher/Biographien die in der DDR erschienen hier.

Tanzmusikentwicklung in der DDR

1945 - Der Demokratische Rundfunk Berlin nimmt seine Sendetätigkeit auf.
1946 - Lizenz zur Gründung der Plattenfirma Lied der Zeit, Eterna u. Amiga entstehen.
1951 - Musikfachzeitschrift "Musik und Gesellschaft" erscheint.
1954 - Musikverlag "Lied der Zeit" wird gegründet.
1955 - Zeitschrift "Unterhaltungskunst" erscheint (bis 1969 unter "Artistik").
1957 - "Melodie und Rhythmus" erscheint (Musikfachzeitschrift).
1958 - Ministerium für Kultur gibt Anordnung heraus, das der Anteil devisenpflichtiger Werke 40% betragen darf. Später die 60/40 Regelung genannt.
1960 - Der DDR Twist heißt Lipsi und sollten den Rock´n Roll in der DDR verdrängen.
1964 - Jugendstudio DT 64 nimmt Betrieb auf. Eigens gegründet zum Deutschlandtreffen der FDJ/Pfingsten
1964 - (erst 6.3.1967 folgten S-F Beat und Aug.1968 der Rias )
1965 - Im Oktober verfügt ein Erlass des Politbüros, dass Beatmusik in den Medien verboten und den Beatgruppen die Lizenz entzogen wird.
1966 - Der 1. Schlagerwettbewerb findet statt.
1968 - präsentierte der Berliner Oktoberklub die erste Freiluftdiskothek.
1970 - Erste Hitparade auf DT 64 mit ausschließlich Titeln aus sozialistischen Ländern.*(siehe unten)
1971 - Sendestart "Stimme der DDR" . Zentralhaus für Kulturarbeit ruft zu einer ersten Zusammenkunft der DDR-Schallplattenunterhalter auf (SPU).
1972 - Jugendmagazin "Neues Leben" vergibt den Ersten Interpretenpreis.
1973 - Das Komitee für Unterhaltungskunst wird gegründet. Etwa 3000 Diskotheken gab es bislang.
1974 - Günther Jungbauer und Gerhard Zacher initiieren "Solitreff". Der sich daraus entwickelnde "Soli-Beat" findet jährlich statt und spielte bis 1982 über 1 Mill Mark ein.
1979 - Die Zahl der Diskotheken hat sich auf 6000 verdoppelt.
1982 - Erste Veranstaltung "Rock für den Frieden"

*Erfolgreiche und langjährige Hitparadensendungen gab es natürlich auch im Rundfunk der DDR. Die Sendung "Schlagerrevue" des "Hansdampfes" der DDR-Unterhaltung Heinz Quermann († 14. Oktober 2003) war wohl überhaupt eine der Dienstältesten Hitparaden des Rundfunks. Ab den 70er Jahren gab es dann auch im Hörfunk erste Hitparadensendungen für Jugendtanzmusik, u. a. die "Beatkiste" mit Frank Schöbel. In kleinen Sonderrubriken wurden zwar auch viele international bekannte Hits gespielt, gewertet werden durften aber nur Songs von Bands aus der DDR, wie Karat und den Puhdys, sowie aus den damaligen sozialistischen "Bruderländern", wie Omega aus Ungarn und den Roten Gitarren aus Polen. In dieser Zeit wurden auch im DDR-Fernsehen Hitparaden übertragen. Die Sendung "Schlagerstudio" wurde von Chris Wallasch moderiert. In den 80er Jahren moderierte Jürgen Karney die nationale Musikhitparade "Bong", während es für die DDR-Rockmusiker die Sendung "Stopp, Rock" gab. Am Ende der DDR, im Sommer 1989, konnten hunderttausende Fans dann endlich auch einmal Rocklegenden wie Bruce Springsteen und Joe Cocker live mit ihren Hits hören und sehen. Später folgte dann der "Abgesang der DDR". Seit diesem Ereignis können nun endlich auch die ostdeutschen Musikfans ihre Stars und Sternchen live mit ihren aktuellen und vergangenen Hits aus den Hitparaden erleben.
Quelle: SLM-Online 2008

DDR Alltags Dialoge:

"Neulich musste ick mal'n Tach lang nich rabotten jehn. Bin ick mit meine Rennpappe von Oberschweineöde nach Hohenschöngrünkohl jegurkt, mir die Arbeiterschließfächer angucken. Flitzt mir da so'n Radfahrer vor'n Kühler. Hab'n ursten Schreck jekriegt. Hat janz schön jesplittert. Naja, ick hätte ooch lieber 'n richtjet Auto. Aber da musste warten, biste schwarz wirst. Wie sacht man so schön: Einzahl heißt Wartburg, Mehrzahl Warte-Bürger! So isset ebend: Theorie ist Marx, Praxis is Murx"."


Der Drahtesel war völlig im Eimer. Is ja bloß Trompetenblech. Wer Mifa fährt, fährt nie vakehrt, weil Mifa überhaupt nich fährt! Der Radler war sauer. Hätt' ma beinah uffgerissen wie'n Westpaket.


"Ick bin dann janz schnell inne Stadt jefahrn, wollte mich im Neu-Deli eindecken, aber ick hatte nich jenuch Alu-Chips dabei. Bin ick wieder nach Hause, von een Saftladen zum nächsten. Hatten nur Kuba-Appelsinen, Muckefuck und Malfa-Kraftma-Brot. Jaja, alle vier Wochen mal vakraftma ditt Brot. Ick würde ooch lieber in Interschock einkaufen jehn, aber ick habe keine blauen Fliesen. Und frag' mich jaa nich: Forum geht's? Forum-Schecks hab ick ooch nich.""


"Mein Neffe kommt übrigens jetz zur Asche. Ins Land der drei Meere: Sandmeer, Waldmeer, nix mehr. Dabei war der gerade dabei, den Ehekredit abzukindern. Is urst sauer und sieht schon jetzt aus wie eener von die Freunde, mit Radkästen über'n Ohren. Hat'n ursten Zappen. Nun muss er auch mit der Mumpelspritze rumrennen. Zu essen jib's da nur Tote Oma, zu trinken Hängolin-Tee. Und wenn's zum Tag der Bereifung denn mal 'n Broiler jibt, dann nur mit Plörre aus dem RGW-Saucen-Verbundnetz."


Willst'n Pils? Wat, schmeckt nich? Na, ick weeß: Bautz'ner Biere - trinkst eins, pullst viere! Hätt' ooch gern een andret. - Nadu, naja, na Radeberger! - Nix für unjut! Prostata!

Neulich hat mich mein Chef anjepflaumt. So'n Bonze von der Einheizpartei, total rotlichtbestrahlt. Weil ick rumjebummelt hätte. Dit jib's in keinem Russenfilm!


Er hat jebrüllt: Wir sind hier nicht auf der Fritz Heckert! Naja, ick sach immer: Lieber mit der Sekretärin Brust an Brust, als mit dem Parteisekretär Schulter an Schulter! Wissen ist Macht, nischt wissen macht nix. Spare mit jedem Gramm Material und jeder Mark - koste es, was es wolle! Der Letzte macht's Licht aus.


"Ich glaube, mein Chef ist beim Konsum. Nich wat du denkst. Nich bei Kauft-ohne-nachzudenken-schnell-unsern-Mist. Nee: bei der Firma, bei Horch Guck. Jenau weeß ick det nich, man steckt ja nich drin. Aber wenn de nich aufpasst, dürfste am Ende noch jesiebte Luft atmen. Kannste een druff lassen. Musste ebend lernen, die Klappe nich so uffzureißen."


Fotos: Neues Leben, privat © studio89.de zuletzt bearbeitet April 2017

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